• English
  • Deutsch

Was nun Frau Merkel und Frau Grütters?

13. Mai 2020 - 13:23 -- Timothy Davies
Die Kulturbranche ist im Grunde eine Nährstoffbranche. Wir handeln mit lebenswichtigen Gütern für die geistige Gesundheit! Viele hunderttausende Kulturschaffende pflügen und wenden geistiges Material und bringen dieses auf Bühnen. Theater, Musikclubs & Festivals wie auch Kinos stecken momentan in einer tiefen Krise. Dort darf derzeit kein geistiges Futter angeboten werden. Die Folge ist eine geistige Verarmung. Das geht schon mal eine gewisse Zeit gut. So kramen die Menschen alte Konserven hervor. Wo aber kommen die neuen Impulse her? Gerade die Krisenzeit ist ja quasi stoffliches Futter par excellence für Künstler. Es gibt viel zu denken und viel zu sagen! Und all diese Ideen haben keine Bühne, sondern sind dazu verdammt warten zu müssen bzw. sind kommunikativ eingesperrt. Der Staat hat den Schlüssel zu den Pforten der Spielstätten an sich gerissen und die Lichter ausgemacht. Es handelt sich um eine staatliche Zensur. Dieser staatliche Eingriff ist einmalig und Bedarf einer Rechtfertigung. Die Rechtfertigung liegt so ein wenig ausserhalb des Wahrnehmbaren, es ist quasi das Szenario einer am Corona Virus erstickenden Gesellschaft. Dieses Bild ist stark und wird auch von den allermeisten Kulturschaffenden mitgetragen. Kurzum: alle üben sich in Geduld. Alle warten darauf, dass der Schlüssel zum Schloß an die Kulturschaffenden zurückgegeben werden kann. Und eben genau für diesen Zeitraum - wie lang er auch sein mag - bedarf es struktureller Hilfe. Dunkelheit senkt sich dann über das Land, wenn Kulturschaffende aufgeben, wenn es folglich keine Menschen mehr gibt, die die Spielstätten öffnen und die Künstler auf die Bühnen lassen. Kleine Städte veröden, Großstädte werden ärmer. Und die Menschen haben primär weit weniger geistiges Futter. Dies aber ist ein immens wichtiges Gut um mental gesund zu bleiben und neue Horizonte sichtbar zu machen. Gerade Deutschland weiß um die geistige Armut in den dunkelsten Zeiten. Darum ist es wichtig das geistige Leben mit allen Mitteln zu stützen. Wer den Schlüssel an sich reißt, muss die Struktur adäquat weiterfinanzieren. Das muss der Anspruch sein. Dies möchte ich unserer Bundeskanzlerin und der Kulturstaatsministerin mit auf den Weg geben. // Rüdiger Herzog //